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Bewertung von Informationen
Bewertung von Informationen
Der Seh- und der Tastsinn sind, genau wie alle weiteren Sinne, die Antennen des Menschen zur Außenwelt. Die
Interpretation von Informationen durch das Gehirn ermöglicht eine Orientierung, die für den Menschen lebensnotwendig
ist. Die immense Fülle an Informationen, die auf die menschlichen Sinnesorgane einströmen, kann allerdings verwirrend
sein. Und die eindeutige Unterscheidung, welche Information wichtig, weniger wichtig oder überflüssig ist, wird auf
Grund der Vielfalt und Masse erschwert. Analog dazu sind die Selektion und richtige Bewertung von Informationen auch
für Unternehmen von größter Wichtigkeit. Wie das einzelne Individuum ist auch ein Unternehmen vielen Einflussfaktoren
ausgesetzt. Und auch hier gilt es, aus der Fülle der Nachrichten die wirklich wichtigen Informationen zu selektieren,
richtig zu interpretieren und zu verarbeiten. Genau wie im Gehirn müssen alle Einzelinformationen vernetzt bzw. an
zentraler Stelle zusammengeführt werden. Wenn der “Lernprozess” der eindeutigen Informationsauswahl und
-interpretation abgeschlossen ist, kann eine Firma relativ schnell auf anstehende Gefahren reagieren oder die sich
ergebenden Chancen nutzen.
Auswahl und Interpretation
Die Selektion, Zusammenführung und Bewertung von Informationen über den Kunden stellen daher die anspruchvollste und
wichtigste Aufgabe im Kreditmanagement der Unternehmen dar. Nicht die Quantität, sondern vielmehr die Qualität der
Daten (z.B. Aktualität, Prognosefähigkeit und Trennschärfe) entscheidet über die daraus resultierende Ergebnisqualität.
Je nach Branche und Geschäft sind unterschiedliche Daten für die Bewertung des Kunden wichtig. Die Auswahl relevanter
Merkmale, die zur Kundenbewertung genutzt werden, erfordert eine individuelle Analyse. Hierfür sind Kenntnisse über
Informationsquellen sowie über Methoden und Prozesse zur Bewertung der Informationen notwendig. Nachfolgende interne
und externe Informationsquellen werden häufig von Unternehmen zur Einschätzung der Kundenbonität genutzt:
EXTERNE QUELLEN:
Wirtschaftsauskunfteien Kreditversicherer Bankauskünfte Kundenfinanzgespräche Selbstauskunft des Kunden Bilanzdaten
Publikationen / Öffentlichkeit Externe Zahlungserfahrungen
INTERNE QUELLEN:
Internes Zahlungsverhalten Interne Analysen Umsatzhistorie Kreditlimitentwicklung Reklamationsverhalten
Bestellverhalten Informationen vom Außendienst / Vertrieb
Frühwarnindikation
Das Kunststück dabei ist, möglichst trennscharfe Merkmale zu finden, die eine Aussage über die Zahlungsfähigkeit des
Kunden zulassen. Neben der Bonität kann u.a. der Umsatz, die Rechtsform des Kunden, dessen Alter, die Region und die
Branche in die Bewertung mit einfließen. Die genannten Merkmale gelten als trennscharf und prognosefähig. Ferner stehen
diese Parameter für die Mehrzahl der Debitoren jederzeit relativ kostengünstig zur Verfügung. Die Bewertung kann damit
auf einer homogenen Grundlage standardisiert ausgeführt werden.
Der Creditreform-Risikoindikator
Auf Grundlage der Creditreform-Datenbank, die Daten über alle Unternehmen in Deutschland enthält, werden aktuelle
Insolvenz- und Bonitätsentwicklungen dokumentiert und ausgewertet. Die Analyseergebnisse zeigen, dass die Kombination
der Bonität mit Strukturmerkmalen wie z.B. Branche, Rechtsform, Unternehmensalter und -größe oder Postleitzahlgebiet
hervorragend für eine differenzierte Risikobetrachtung innerhalb des Kundenportfolios eingesetzt werden kann. Der
Creditreform-Risikoindikator (CRI) ist ein Maßfür die Insolvenzwahrscheinlichkeit eines Merkmals.
Je größer der ermittelte CRI, desto größer ist das Gefährdungspotenzial, bezogen auf die Grundgesamtheit der
jeweiligen Klassifikation. Damit kann der Information Rechtsform oder Branche wie nachfolgende Beispiele zeigen, ein
Risikofaktor zugeordnet werden. Das Vorliegen eines Ausfalls wird durch sog. Negativmerkmale (Haftanordnung,
Eidesstattliche Versicherung, unternehmerisches Insolvenzverfahren, Verbraucherinsolvenzverfahren von ehemals
selbstständigen Personen, sonstige Insolvenzen) angezeigt und definiert. Die Zahl der ausgefallenen Unternehmen ergibt
sich durch die Selektion aller Datensätze der Creditreform-Wirtschaftsdatenbank, die im Untersuchungszeitraum ein
Negativmerkmal aufweisen.
Insolvenzrisiko der Branche Baugewerbe
An dem Beispiel CRI-Branche wird erkennbar, dass sich die Risiken der Unterbranchen im Baugewerbe deutlich
voneinander unterscheiden. In der Baubranche hebt sich der Brunnenbau mit einem CRI-Wert von 1,89 Prozent deutlich
positiv vom Branchendurchschnitt (CRI 3,31 %) und vom allgemeinen Insolvenzdurchschnitt (CRI 2,51 %) ab. Das zweite
Beispiel verdeutlicht das Gefährdungspotenzial der einzelnen Rechtsformen. Gewerbebetriebe haben ein deutlich höheres
Insolvenzrisiko als alle anderen aufgeführten Rechtsformen, die deutlich unter dem Insolvenzdurchschnitt von 2,51 %
liegen. Eine CRI-Auswertung kann über die einzelnenAusprägungen der Unternehmensmerkmale Branche,Region,
Unternehmensgröße, Rechtsform,Altersstruktur oder in unterschiedlichen Kombinationenmit der Bonität ermittelt werden.
Mit denKennzahlen kann die Entwicklung eines Scoring-Modells unterstützt werden. Natürlich sollten Unternehmen neben
den genannten externen Informationen auch interne Informationen und kundenbezogene Kennzahlen (Zahlungsverhalten und
Reklamationsquoten) in die Bewertung mit einfließen lassen. Wie im Gehirn müssen alle Informationen vernetzt werden.
Nach der Auswahl der für das Unternehmen relevanten Bonitätsmerkmale werden diese mittels mathematisch-statistischer
Verfahrengewichtet und mit Punkten bewertet. Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Auswahl, Interpretation und
Bewertung relevanter interner und externer Informationen die wichtigste Aufgabe im Kreditmanagement darstellt. Daher
sollten diese Vorgänge einer strukturierten und standardisierten Vorgehensweise unterliegen. Mit einem der Datenauswahl
nachgelagerten Scoring- bzw. Rating- System können interne und externe Informationen zu einem nachvollziehbaren und
fein kalibrierten Krediturteil über die Bonität bzw. die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens verdichtet werden.
Kontakt
Silke Beermann
Verband der Vereine Creditreform e.V.
Abt. Risikomanagement
s.beermann@verband.creditreform.de
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