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Empirische Wirtschaftsforschung mit MARKUS
beim IFM Bonn

Das Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) hat die Aufgabe, Lage, Entwicklung und Probleme des Mittelstandes zu erforschen und die Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Insbesondere verfolgt das IfM Bonn das Ziel, die Datenbasis über die mittelständische Wirtschaft zu verbessern und zu erweitern. Neben der Nutzung offizieller amtlicher Statistiken werden im Rahmen der Forschungstätigkeit häufig auch Unternehmensdatenbanken genutzt, da sie in der Regel wertvolle unternehmensbezogene Informationen enthalten, die über die Informationen in den amtlichen Statistiken hinaus gehen.

Einsatz der MARKUS-Datenbank zur Mittelstandsdefinition in Deutschland

Mittelständischen Unternehmen wird in Politik und Gesellschaft eine besondere Bedeutung für die Funktionsfähigkeit der deutschen Wirtschaft beigemessen. Umso erstaunlicher ist es, dass es offensichtlich keine allgemein anerkannte Definition hierfür gibt. In der Regel nähert man sich dem rechnerischen Anteil des Mittelstandes an der Gesamtwirtschaft über so genannte quantitative Kriterien. Hierbei werden die unterschiedlichsten Grenzen verwendet. Als mittelständisch gelten Unternehmen, die bestimmte Größenschwellen, gemessen als Umsatz und/oder Zahl der Beschäftigten, nicht überschreiten. Das IfM Bonn zählt beispielsweise Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten oder 50 Millionen Euro Jahresumsatz zum Mittelstand. Für das Verständnis des Mittelstandes sind rein aus quantitativen Größen abgeleitete Berechnungsmethoden und Darstellungen zwar hilfreich, aber zusätzlich wird der Mittelstand nicht nur über eine Zahl, sondern auch über qualitative Kriterien definiert.

(Schaubild: Markus-Datenbank)

Im Zentrum der Begriffsbestimmung steht die Person, die leitend, das heißt, planend und kontrollierend, in dem Unternehmen tätig und persönlich so eng mit dem Unternehmen verbunden ist, dass von einer Identität zwischen Unternehmen und Unternehmer gesprochen werden muss. Dies wird zum einen durch Einheit von Eigentum und Haftung, d.h. der Einheit von wirtschaftlicher Existenz der Unternehmensleitung und des Unternehmens, und zum anderen in der Verantwortlichkeit der Führungsperson für alle unternehmensrelevanten Entscheidungen deutlich. Aus dieser Einheit von Unternehmen und Inhaber, also einer völligen oder doch zumindest weitgehenden Konzernunabhängigkeit, resultiert die unmittelbare Einwirkung der Unternehmensleitung auf alle wichtigen strategischen Entscheidungen im Unternehmen.

Die ökonomischen Auswirkungen dieser qualitativen Merkmale zur Beschreibung des mittelständischen Unternehmens schlagen sich unter anderem, im Finanzierungsverhalten, der Produktpolitik, der Einstellung zur Anwendung betriebswirtschaftlicher Methoden und insbesondere in der Innovationstätigkeit nieder. Mitunter haben die qualitativen Kriterien ein so starkes Gewicht, dass die rein quantitativen Aspekte zu kurz greifen. Dies kann dazu führen, dass selbst ein Betrieb mit weitaus mehr als 500 Beschäftigten oder 50 Millionen Umsatz seinem Wesen und Verhalten nach eigentlich noch mittelständisch ist. Anderseits werden durch die alleinige Berücksichtigung der quantitativen Kriterien Unternehmen als mittelständische Unternehmen ausgewiesen, obwohl sie sich mehrheitlich im Besitz eines Großunternehmens befinden und daher als managementgeführte Unternehmen zu bezeichnen sind.

Da die Berechnung des Mittelstandsanteils nach qualitativen Kriterien mit den vorliegenden amtlichen Statistiken, insbesondere dadurch, dass sie keine unternehmensbezogenen Angaben bezüglich der Eigentümer- und Geschäftsführerstruktur bereitstellen, nicht möglich ist, stellte sich im Laufe der Zeit ein Gewöhnungseffekt ein, der dazu führte, dass die quantitative Definition, die ursprünglich nur ein Hilfskriterien war, als konstitutiv für ein mittelständisches Unternehmen angesehen wurde.

Einsatz der MARKUS-Datenbank für diverse Forschungsprojekte

Daher sollte in einem Forschungsprojekt (WOLTER/HAUSER, 2001: Die Bedeutung des Eigentümerunternehmens in Deutschland; Jahrbuch zur Mittelstandsforschung 1/2001) der Anteil mittelständischer Unternehmen in Deutschland nach qualitativen Kriterien ermittelt werden. Nach einem intensiven Vergleich verschiedener Datenbankanbieter wurde für die Beantwortung der Forschungsfrage die MARKUS-Datenbank von Creditreform ausgewählt. Der besondere Vorteil der MARKUS-Datenbank besteht dabei darin, dass sich die forschungsrelevanten Variablen – Eigentümerverhältnisse, Geschäftsführertätigkeit und Rechtsformen – miteinander verknüpfen lassen.

Mittels eines vom IfM Bonn entwickelten Schätz- und Stichprobenverfahrens und der MARKUS-Datenbank war es nunmehr erstmals möglich, den Anteil familieneigener mittelständischer Unternehmen zu ermitteln. Im Ergebnis sind rund 95 Prozent aller 3,3 Millionen deutschen Unternehmen als mittelständisch im Sinne der qualitativen Definition anzusehen. Das eignergeführte Familienunternehmen bildet demnach nach wie vor das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. In einem weiteren Forschungsprojekt des IfM Bonn im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit (KAY et al., 2003: Unternehmerinnen in Deutschland; Dokumentation Nr. 522 (BMWA)), konnte mit Hilfe dieses entwickelten Schätz- und Stichprobenverfahrens sowie der MARKUS-Datenbank gezeigt werden, dass sich über 600.000 Unternehmen im Besitz von Frauen befinden und auch von diesen geleitet werden. Darüber hinaus erhebt das IfM Bonn häufig Daten in eigenen, großen empirischen Befragungen. Als informationsreiche und zuverlässige Quelle für Unternehmensdaten und -adressen, insbesondere auch für anspruchsvoll geschichtete Zufallsstichproben – hat sich die MARKUS-Datenbank von Creditreform bewährt.

Kontakt

Weitere Informationen über die umfangreichen Forschungsprojekte des IfM Bonn erhalten Sie auf der Website des Instituts www.ifm-bonn.org, Prof. Dr. Frank Wallau, stellvertretender Geschäftsführer IfM Bonn, Telefon: 02 28 / 7 29 97-48,  wallau@ifm-bonn.org, Claus Adenäuer, wissenschaftlicher Mitarbeiter der IfM Bonn.

 



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