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Neue Creditreform Branchenanalyse

Jeder kennt sie – beinahe täglich gehen die neuesten Zahlen zu den verschiedensten Wirtschaftsindikatoren durch die Medien. Ob Ifo-Geschäftsklimaindex oder ZEW-Finanzmarkttest: Wirtschaftsklimaindizes erfassen Erwartungen von Marktteilnehmern und bilden sie in einem Index ab. Sie sind wichtige Frühindikatoren, die Trends erkennbar machen und insbesondere Wendepunkte anzeigen. Wie ist die Konjunktur in einer speziellen Branche? Wird sich das Zahlungsverhalten in einer Branche verbessern? Ist in der Branche mit Insolvenzen und Forderungsverlusten zu rechnen? Um diesen Fragen nachzugehen, können mittelständische Unternehmen in Zukunft einen Blick auf den Creditreform-Branchen-Index werfen. Während etwa der Ifo-Geschäftsklimaindex den zukünftigen gesamtwirtschaftlichen konjunkturellen Verlauf abbilden soll, der ZEW-Finanzmarkttest vorherrschende Stimmungen unter den deutschen Finanzanalysten einfängt und Trends auf den Finanzmärkten aufzeigt, nimmt der Creditreform-Branchen-Index die Branchenkonjunktur inklusive Zahlungsverhalten und Insolvenzanfälligkeit ins Visier.

Der Creditreform-Branchen-Index setzt sich aus vier Komponenten bzw. Teilindizes zusammen: Der neu entwickelte Creditreform-Geschäftsklimaindex und der Indikator für das Zahlungsverhalten werden aus den Umfrageergebnissen der Creditreform-Umfragen zur Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand gebildet. Die anderen beiden Komponenten sind bewährte Creditreform-Produkte: der Bonitätsindex und der Creditreform-Risiko-Indikator (CRI). Für jede Branche wird der Stand der Teilindizes gemessen und mit einer Punktzahl zwischen null und hundert bewertet. Schließlich werden die vier Teilindizes zum Creditreform-Branchen-Index zusammengefasst. Dabei kommt jeder Komponente ein unterschiedliches Gewicht: Mit 30 % der Punktzahl hat der Geschäftsklimaindex das größte Gewicht, 20 % steuert das Zahlungsverhalten bei, Bonitätsindex und CRI gehen zu jeweils einem Viertel in den Creditreform-Branchen-Index ein.

Creditreform-Geschäftsklima-Index

In der Herbstumfrage 2005 weist die Branche Großhandel mit +0,1 den zweiten Platz von allen betrachteten Branchen auf und liegt deutlich besser als der branchenspezifische Durchschnitt (-5,0). Erstaunlicherweise führt die Branche Verkehr/ Logistik das Ranking des Geschäftsklimas an. Die unteren Plätze belegen die Bauwirtschaft und der Einzelhandel.

Indikator Zahlungsverhalten

Betrachtet man das Zahlungsverhalten, die zweite Kenngröße, beurteilen mittelständische Großhändler das Zahlungsverhalten ihrer privaten Kunden mit einer Durchschnittsnote von 3,09. Diese Bewertung bedeutet ein – im Vergleich zu anderen Branchen – leicht unterdurchschnittliches Zahlungsverhalten. Der Durchschnitt liegt bei 2,91. Das beste Zahlungsverhalten weist die Branche Chemie (2,43), das schlechteste die Branche Verkehr/Logistik (3,14) auf. Die ersten beiden Komponenten des Creditreform- Branchen-Index werden aus dem Datenmaterial der von Creditreform regelmäßig durchgeführten Mittelstandsbefragungen gewonnen und sind Momentaufnahmen von Stimmungen und Trends.

Deshalb hat Creditreform die dritte und vierte Komponente des Branchen-Index aus der “harten” Datenlage der Creditreform-Wirtschaftsdatenbank heraus konzipiert. Die dritte Komponente des Branchen Index ist der erfolgreich etablierte Creditreform- Risiko-Indikator (CRI). Der für den Creditreform- Branchen-Index verwendete CRI setzt die Zahl der mittelständischen Unternehmen einer Branche, die in den letzten zwölf Monaten ein Negativmerkmal aufzuweisen hatten, ins Verhältnis zur Gesamtzahl der mittelständischen Unternehmen in der Branche. Die mittelständischen Großhandelsunternehmen weisen im Herbst 2005 einen CRI von 2,02 auf. Damit liegen sie besser als der Durchschnitt (CRI = 2,29). Die Chemie führt mit einem CRI von 1,56 die Tabelle an. Schlusslicht bildet wiederum die Branche Verkehr/Logistik.

Creditreform-Bonitätsindex

Als vierte Komponente fließt der Bonitätsindex in die Bewertung ein. Der Creditreform-Bonitätsindex ist seit langem als trennscharfer und leistungsfähiger Frühwarnindikator bekannt und geschätzt. Er ermöglicht die schnelle Beurteilung der Zahlungsfähigkeit von Unternehmen: 15 bonitätsrelevante Merkmale, von der Liquidität über den Umsatz und die Eigenkapitalstruktur bis hin zur Zahlungsweise des Unternehmens und der Rechtsform, werden zur Bonitätsbewertung herangezogen. Diese Kriterien werden einzeln bewertet und anschließend zu der Gesamtnote, dem Bonitätsindex, verdichtet. Für die Branchenbewertung im Rahmen des Creditreform-Branchen-Index wird der durchschnittliche Bonitätsindex aller mittelständischen Unternehmen einer Branche bestimmt und auch diese Komponente mit einer Punktzahl zwischen null und hundert bewertet. Der durchschnittliche Bonitätsindex der mittelständischen Großhandelsunternehmen liegt im Herbst bei 233 und ist damit besser als der Branchendurchschnitt (242).

Branchenvergleich nach Bonitätsindex Creditreform-Branchen-Index

Für die Branchengesamteinschätzung im Rahmen des Creditreform-Branchen-Index werden nun die bei den einzelnen Indizes erreichten Punkte der Gewichtung der Komponente entsprechend addiert (siehe Tabelle). Als Ergebnis erhält jede Branche einen Scorewert. Im Vergleich der zehn Branchen landet der Großhandel mit einem Branchen-Index von 51,9 auf dem fünften Platz. Den Spitzenplatz belegt Chemie mit einem Branchen-Index von 60,2 – am Ende befindet sich das Baugewerbe mit einem Branchen-Index von nur 29,4. Der nächste Creditreform Branchen-Index wird im Februar 2006 veröffentlicht.

Kontakt

Verband der Vereine Creditreform e.V.
Wirtschafts- und Konjunkturforschung
Kai Kohlberger
Telefon: 0 21 31 / 109-172
 k.kohlberger@verband.creditreform.de

 



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